Ellmendinger Armenhaus ist jetzt Geschichte

Armenhaus Abriss 001Zu Beginn dieser Woche wurde mit den Arbeiten zu Abbruch des Ellmendinger Armenhauses an der Angelstraße 4 begonnen. Nun ist ein Stück Ellmendinger Geschichte verschwunden. Eine Geschichte, die den Einwohnern aber kaum noch denken wird, denn das einfache Fachwerkhaus aus dem Jahr 1720 diente ehemals als Armenhaus; und diese Geschichte ist heute lange schon vorbei. Auch der Grundstückseigentümer und Hausbesitzer Rudi Augenstein bedauert den Abbruch, des etwas von der Straße abgerückten eingeschossigen Häuschens.

 

 Armenhaus Abriss 002Wenn der Enkel von Rudi Augenstein, Sven Augenstein groß sein wird, dann wird ihm das ehemalige Ellmendinger Armenhaus  nur noch in seiner Erinnerung und mit dem Schadensgutachten denken. In der kommenden Woche wird mit dem Abbruch die Geschichte des Gebäudes besiegelt werden.

 

Wohl schon über 100 Jahre steht es leer und ist nun akut einsturzgefährdet. Zwar hat er immer dafür gesorgt, dass das mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln einfach gedeckte Dach weitestgehend dicht war, aber jetzt sind die Holzsparren teilweise zusammengefault, die Ziegel mürbe, das Bruchstein- und Backsteinmauerwerk weist breite Risse auf und die Decken sind teilweise durchgebrochen.

 

„Das Gebäude ist nicht mehr zu retten“, dies attestierte ihm auch die Denkmalschutzbehörde und genehmigte den bevorstehenden Abbruch. Rudi Augenstein und die Behörde sind andererseits aber erfreut, dass das ebenfalls in seinem Besitz befindliche und seit 1789 ununterbrochen als Wohnhaus genutzte Fachwerkhaus Angelstraße 2 in seiner Schönheit noch viele Jahre erhalten bleiben wird. Ohne weiteres hat die Denkmalbehörde aber dem Abbruch nicht zugestimmt. Vor der Zustimmung musste Augenstein ein rund 2000 Euro teures Gutachten erstellen lassen. Mit maßstäblichen Grundrissen, Schnitten, Ansichten und der auch fotografisch detaillierten Schadensdokumentation umfasst das Werk knapp 100 Seiten. Zwei Exemplare hat das Landesdenkmalamt fürs Archiv erhalten. Ein Exemplar will Rudi Augenstein noch dem Kelterner Heimatmuseum zukommen lassen, damit zumindest noch die Erinnerung an das Ellmendinger Armenhaus am Ort erhalten bleibt.

Armenhaus Abriss 003Ehemals befanden sich im Erdgeschoss des vorderen Gebäudeteils zwei kleine Zimmer und im Durchgangsbereich eine offene Feuer- und Kochstelle. Das Armenhaus verfügte nie über einen Wasser- oder Abwasser Anschluss. Vermutlich holten sich die Bewohner das Wasser im vorbeifließenden Arnbach der damals noch keine Ufermauer hatte und einfach begannen werden konnte. Eine Waschstelle oder Toilette war nicht im Haus, so dass davon ausgegangene werden kann, dass die Miste für die Entsorgung der Abwässer diente. Unter den Zimmern war noch ein niedriger „Kriechkeller“. Im Dachgeschoss war ein weiteres Zimmer im vorderen Gebäudeteil. Im rückwärtigen Bereich waren zwei kleine Stallungen, vermutlich nur für Ziege, Schwein und Hühner darüber der „Heu- und Strohbarn“, wie die Futter- und Einstreulagerung unter dem Dach mundartlich bezeichnet wird. Welche, und wie viele Personen in dem Haus lebten ist nicht bekannt.Armenhaus Abriss 004

 

In der Ellmendinger Ortschronik heißt es nur mit Hinweis auf einen Bericht von 1803. „Der Gemeinde gehören das Schulhaus, das Rathaus und das Armenhaus“.  Das Gebäude das vor über 100 Jahren in Privatbesitz überging hatte scheinbar keine herausragende ortsgeschichtlich bedeutsame Ausstrahlung.

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