Der Wald im Enzkreis

„Der Wald im Enzkreis“

Teil 3 : Waldnutzung heute – Schutz durch sorgsames Nutzen und Gestalten

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff.

Wie Nachhaltigkeit im Wald funktioniert

hoehlenbaumNachhaltigkeit ist das zentrale Prinzip moderner Forstwirtschaft. Entstanden ist sie als Folge der katastrophalen Plünderung der Wälder im 18. Jahrhundert. Heute geht sie weit über die Beschränkung der genutzten Holzmengen hinaus. Sie orientiert sich an der Vielfalt aller Funktionen, die unsere Wälder erfüllen müssen: saubere Luft und sauberes Wasser, gesunde Böden, Schutz vor Erosion, Hochwasser oder Lawinen, Raum für Erholung, die Bereitstellung hochwertiger Hölzer und das Erzielen von Einkommen. Nachhaltigkeit bedeutet die dauerhafte Erhaltung aller ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen, die der Wald für uns Menschen hat.

„Der Wald im Enzkreis“

Teil 2: Waldgeschichte und historische Holznutzung

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff.

Brennstoff, Baumaterial, Exportartikel

Enzkreis Der Wald Teil2Der Wald wurde von jeher vom Menschen intensiv genutzt. Bereits in der Steinzeit legte er ausgedehnte Waldgebiete durch Brandrodung kahl und nutzte die dadurch baumfreien Flächen für Feldbau und Weidewirtschaft. Im Hochmittelalter war der Wald durch den hohen Holzverbrauch bereits stark zurückgegangen. Der verbliebene Wald war zudem viel lichter als heute. Ein Vertrag aus dem Jahr 1342 zeigt, dass bereits damals weit in den Schwarzwald hineingegriffen werden musste, um den Holzbedarf zu decken.

Holz wurde zudem ein wichtiger Exportartikel: Zu großen Flößen zusammengebunden, erfolgte der Transport über die Schwarzwaldflüsse Murg, Kinzig, Nagold und Enz in den Neckar und den Rhein. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Holländertannen“, denn das Holz wurde auf diese Weise bis nach Holland verkauft.

Eine weitere massive Beanspruchung für den Wald war die Nutzung als Weide für Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine. Dadurch war auf vielen Flächen eine Waldverjüngung nicht mehr möglich, weil die Tiere die jungen Triebe abfraßen. Auch nach dem Übergang zur Stallhaltung wurde weiterhin die Laubstreu aus dem Wald für die Ställe genutzt. Das führte zu einem katastrophalen Nährstoffentzug in den Böden, der mancherorts heute noch spürbar ist.

„Der Wald im Enzkreis“

Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie, die im Gemeindeblatt erscheint und in der es um die vielen Aspekte der heutigen modernen Waldbewirtschaftung im Enzkreis geht. Die Beiträge geben einen Einblick in die tägliche Arbeit der Förster und zeigen vor allem, welche Bedeutung der Wald mit seinen wertvollen Funktionen für Mensch und Umwelt hat und wie wichtig eine nachhaltige Bewirtschaftung für seinen Erhalt ist.

Wald und Landschaft

Enzkreis Wald 2017 01Der Enzkreis ist mit 324 Einwohnern pro Quadratkilometer überdurchschnittlich dicht besiedelt; in Baden-Württemberg leben nur 250 Einwohner auf einem km². Dennoch ist der Enzkreis sehr waldreich: Über 40 Prozent sind mit Wald bedeckt – mehr als im Landesdurchschnitt (38 Prozent) und deutlich mehr als bundesweit: In ganz Deutschland sind etwa 30 Prozent der Fläche bewaldet. Insgesamt hat der Enzkreis eine Waldfläche von 23.000 Hektar.

Zudem zeichnet sich der Enzkreis durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Naturräumen aus, die auf verschiedenen geologischen Formationen beruhen und sich auch in sehr verschiedenen Wäldern widerspiegeln: Die Hügel in Heckengäu und Kraichgau sind durch fruchtbare Muschelkalböden geprägt, auf denen hauptsächlich Landwirtschaft betrieben wird. Hier kommen von der Buche dominierte Laubwälder vor. Der markant aus der Landschaft ragende Stromberg ist ein waldreicher Höhenzug auf Keuperböden, an dessen Hängen Weinbau betrieben wird. Die Eiche ist hier die prägende Baumart. Südlich der Enz erheben sich auf Buntsandstein-Formationen die Berge des Nordschwarzwaldes. Dieser Teil des Enzkreises ist am dichtesten bewaldet, hier sind Mischwälder aus Tanne, Fichte und Buche charakteristisch. Die Verteilung von Nadel- und Laubholz ist damit im Enzkreis etwa ausgeglichen.

Waldeigentum und Verwaltung

Der Wald im Enzkreis teilt sich in drei Besitzarten auf: 1.700 Hektar (7 Prozent) sind in privater Hand. Der überwiegende Teil, nämlich 93 Prozent, sind somit öffentliche Wälder. Etwa ein Drittel gehört als sogenannter Staatswald dem Land Baden-Württemberg, der große Rest (61 Prozent) befindet sich im Eigentum der 28 Städte und Gemeinden, von denen jede Wald besitzt.

Obwohl dem Enzkreis selbst kein Wald gehört, ist er mit dem Forstamt im Landratsamt für alle Waldbesitzer zuständig. Die Revierleiter der 21 Forstreviere sind entweder Beamte des Landkreises oder der Kommunen, abhängig davon, ob sie Staatswald betreuen oder nur kommunale Wälder in ihrem Revier liegen. Die Förster sind Ansprechpartner für die Waldbesitzer ebenso wie für die Bürger, und sie sind verantwortlich für die Organisation der Forstarbeiten. Ihnen zugeteilt sind knapp 50 Waldarbeiter, die einen Großteil der Arbeiten durchführen.

Der Wald hat 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag geöffnet. Wo immer man den Wald betritt, ob einen Eichenwald am Stromberg oder einen Tannenmischwald im Schwarzwald: immer ist dieser Wald ein Produkt intensiver, teils Jahrhunderte währender Pflege und Bewirtschaftung durch den Menschen. Nur dank vieler Generationen von passionierten Förstern können wir heute von den Wertschöpfungen und den Wohlfahrtsleistungen unserer Wälder profitieren.

Die Aufgabe der Förster geht deshalb heute weit über das Bereitstellen von Holz hinaus: Förster müssen die vielen, oft konträren Interessen am Wald moderieren und in einer zukunftsfähigen Bewirtschaftung zusammenführen, damit Menschen in 100 oder 200 Jahren ebenso großartige Wälder betreten können wie wir heute.

Im nächsten Teil der Serie geht es um die historische Entwicklung der Waldnutzung bis heute – und wie der Mensch dadurch die Wälder im Enzkreises geprägt hat.

 

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