„Der Wald im Enzkreis“

Teil 2: Waldgeschichte und historische Holznutzung

Der Wald prägt die Landschaft im Enzkreis. Von den ausgedehnten Eichenwäldern im Stromberg bis hinauf in den Nordschwarzwald mit seinen Tannenbeständen bedeckt er etwa 40 Prozent der Kreisfläche. Er dient der Erholung der Bürger, ist Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten und liefert einen einzigartigen nachwachsenden Rohstoff.

Brennstoff, Baumaterial, Exportartikel

Enzkreis Der Wald Teil2Der Wald wurde von jeher vom Menschen intensiv genutzt. Bereits in der Steinzeit legte er ausgedehnte Waldgebiete durch Brandrodung kahl und nutzte die dadurch baumfreien Flächen für Feldbau und Weidewirtschaft. Im Hochmittelalter war der Wald durch den hohen Holzverbrauch bereits stark zurückgegangen. Der verbliebene Wald war zudem viel lichter als heute. Ein Vertrag aus dem Jahr 1342 zeigt, dass bereits damals weit in den Schwarzwald hineingegriffen werden musste, um den Holzbedarf zu decken.

Holz wurde zudem ein wichtiger Exportartikel: Zu großen Flößen zusammengebunden, erfolgte der Transport über die Schwarzwaldflüsse Murg, Kinzig, Nagold und Enz in den Neckar und den Rhein. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Holländertannen“, denn das Holz wurde auf diese Weise bis nach Holland verkauft.

Eine weitere massive Beanspruchung für den Wald war die Nutzung als Weide für Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine. Dadurch war auf vielen Flächen eine Waldverjüngung nicht mehr möglich, weil die Tiere die jungen Triebe abfraßen. Auch nach dem Übergang zur Stallhaltung wurde weiterhin die Laubstreu aus dem Wald für die Ställe genutzt. Das führte zu einem katastrophalen Nährstoffentzug in den Böden, der mancherorts heute noch spürbar ist.

Eine Besonderheit der Holznutzung im Enzkreis war die Mittelwaldwirtschaft der Eichen- und Buchenwälder in Kraichgau und Stromberg, die Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Dafür ließ man einzelne Eichen und Buchen locker verteilt als Samenbäume und für Bauholz alt und stark werden. Der darunter nachwachsende Jungbestand wurde alle 25 bis 30 Jahre als Brennholz genutzt.

Land ohne Wald?

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Wald fast vernichtet war, setzte sich die Einsicht bei den Regierungen durch, dass ein Zusammenbruch der Volkswirtschaft nur abzuwenden sei, wenn der Raubbau am Wald gestoppt würde. Denn Holz war damals der wichtigste Rohstoff der aufkeimenden Industrien. Das führte erstmals zu einer planvollen, nachhaltigen Waldbewirtschaftung, wie sie etwa 100 Jahre zuvor bereits und aus denselben Gründen in Sachsen eingeführt worden war.

Dazu zählte beispielweise das Prinzip, nur so viel Holz zu ernten, wie auch nachwächst. Außerdem wurden vermehrt schnell wachsende Nadelbaumarten wie Fichten und Douglasien angepflanzt. Seitdem haben sich die Wälder in beispielloser Weise erholt. Das betrifft sowohl die Waldfläche als auch den Gesundheitszustand des Waldes und die Holzvorräte: Noch nie war dieser Vorrat so groß wie heute.

Im nächsten Teil der Serie geht es um die Grundsätze der heutigen Waldbewirtschaftung.

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