Aus der Arbeit des Gemeinderates

Waldbegang am 20.05.2017

Bei strahlendem Frühlingswetter konnte Bürgermeister Bochinger die Herren Andreas Roth, stellvertretender Enzkreis-Forstamtsleiter, sowie den Revierleiter Ralf Rothweiler mit Waldarbeiter Rolf Augenstein, sowie die Gemeinderäte und Bürger aus Keltern am Waldspielplatz in Weiler zum öffentlichen Waldbegang begrüßen.

Anschließend wurden die Teilnehmer von Herrn Roth im Weiler Wald geführt.

Hier erläuterte Andreas Roth das Konzept der Feinerschließung. Waldböden werden nur auf Rückegassen befahren, dadurch bleibt 80 % des Waldbodens unberührt. Im Bereich der Rückegassen werde eine starke Verdichtung des Waldbodens durch die schweren Rückefahrzeuge in Kauf genommen. Auf feuchten Standorten wie im vorliegenden Fall sei es sinnvoll, Rückegassen abschnittweise zu befestigen, wozu unterschiedliches Material eingebaut werde. Entweder grober Schotter oder steiniges Bauaushubmaterial könne verwendet werden. Je gröber das Befestigungsmaterial, umso länger hält die Rückegasse.

GR Waldbegang20.05.2017 Nr.1Die Alternative zu den Rückegassen wäre eine Flächenbefahrung ergänzte Andreas Roth auf Anfrage. Die Flächenbefahrung widerspräche jedoch der Zertifizierung des Keltern Waldes. Außerdem würden sich die Verdichtungen von nur einem Holzeinschlag auch über Jahrzehnte nicht erholen, da sich die verdichteten Poren im Boden nicht wieder auflockern. Damit entständen flächendeckend größere Schäden am Waldboden. Eine wirkliche Alternative für die Rückegassen als Feinerschließung des Waldes (ca. alle 40m) gibt es derzeit nicht. Die Arbeit mit Pferden sei wesentlich teurer, außerdem können nicht alle Stämme von Pferden gerückt werden. Die Fahrzeuge werden bereits mit breiteren Reifen gefahren, um den Druck etwas zu verteilen.

Die erste Rückegasse, die vom Gemeinderat besichtigt wurde, wurde 2009 mit Aushubmaterial vom Dammfeld befestigt und zeigt sich inzwischen als eine begrünte Schneise von 3 m Breite im Wald. Revierleiter Rothweiler erläuterte, dass die Rückegasse mit Bagger und Raupe ca. 40cm ausgekoffert wurde, dann kam Material in einer Höhe von 60-70cm rein, um den Weg etwas höher zu legen. Da sich das Material bei Befahrung verdichtet und der Untergrund feucht ist, wurden ca. 1,5m³ Material pro lfd. Meter Wegfläche benötigt. Für 100m Wegstrecke bei 3m Breite lieferten 10-15 LKWs das Material an. Für die Anlegung von Waldwegen, die als Fahrwege auch für LKWs angelegt werden, ist ein größerer Aufwand nötig, da hier der Untergrund stärker befestigt werden muss.

Die zweite Rückegasse wurde mit Buntsandsteinmaterial mit kleinerer Körnung saniert. Hier konnte der Gemeinderat erkennen, dass sich das Material schneller abgesenkt hat und nasse Löcher entstanden. Das gröbste Material sei am besten geeignet, betonte Revierleiter Rothweiler.

Anschließend wurden die Teilnehmer zu einem Bereich im Weiler Wald, geführt, der durch den Orkan Lothar am 26.12.1999 geschädigt wurde. Bei diesem Orkan fielen 25 000 Festmeter Stammholz und davon 50% im Weiler Wald an. Der alte Fichtenbestand auf nassem Standort konnte dem Sturm nicht standhalten. Deshalb wurde bei der Bürgerpflanzaktion ein Baumartenwechsel durchgeführt. Auf der Hochfläche wurden an 2 Samstagen im März 2001 von den Bürgern 3 000 Eichen als Lochpflanzung gepflanzt. Es entstand in der Grundstruktur ein Eichenwald mit Nadelwaldanteil. Bei Pflanzaktionen werde darauf geachtet, dass die Bäume dem Standort angepasst sind. Im Frühjahr 2017 wurden Eichen, Douglasien, Vogelkirschen, Bergulmen und Esskastanien zur Unterstützung des Naturverjüngungsbetriebs gepflanzt. Ca. 80 Prozent der Waldverjüngung laufe über die Naturverjüngung, wurde den Teilnehmern erklärt. Seitens des Forstamtes werde jedoch darauf geachtet, dass keine reinen Monokulturen entstünden.

Beim nächsten Stopp im Weiler Wald, stellte Andreas Roth einen Winterhieb vor.

Der vorhandene Bestand sei ca. 150 – 160 Jahre alt. Die Vorgaben seitens des Forstamtes waren, die Buchen zu nutzen und die Eichen in die nächste Waldgeneration zu überführen. Die Buchen mit einem Durchmesser von 60 cm hatten bereits ihre Zielgröße erreicht. Um einzelne Bäume zwischen den Rückegassen zu erreichen, benutzten die Waldarbeiter Seilwinden. Waldarbeiter Ralf Augenstein erklärte, dass ein Seil in ca. 5-6m Höhe am Baum angebracht und dann mit Hilfe einer Seilwinde und 8to Zug der Baum in Richtung Rückegasse gezogen wurde. Es wurde darauf geachtet, dass die Baumkronen auf den Rückegassen einschlagen, um Schäden am umliegenden Baumbestand zu vermeiden. Ralf Rothweiler betonte, dass die gesamte Holzernte über die Rückegassen erfolgte.

Aufwändig seien die erforderlichen Absperrmaßnahmen, die von einzelnen Bürgern jedoch nicht beachtet werden.

Einzelne Buchen wurden stehen gelassen, da sie als Höhlenbuche als Schwarzspecht Biotope genutzt werden.

In dem zurückliegenden Durchgang wurden ca. 400 Festmeter Holz geschlagen. Danach komme die Schlagpflege, die von den Waldarbeitern durchgeführt werde. Anschließend werde der Wald ca. 8 Jahre sich selbst überlassen. Erst dann werde wieder ein Eingriff zur Jungbestandspflege (Protzenbekämpfung) erforderlich.

Zum Thema Klimawandel zeigte Andreas Roth anhand Schaubildern einige Aspekte.

GR Waldbegang20.05.2017 Nr. 2Die Temperaturentwicklung über viele Jahre zeige, dass es viel mehr heiße Tage im Jahr gibt. Die Apfelblüte erfolge im Enzkreis bereits 11 Tage früher als noch vor vielen Jahren. Damit fliege der Buchdrucker früher und die Borkenkäferlarven richten früher im Jahr Schäden an. Die Niederschlagsentwicklung habe ebenfalls Auswirkungen auf den Wald. Es falle zwar fast die gleiche Menge Niederschlagswasser an, aber zunehmend außerhalb der Vegetationsperiode. All diese Faktoren müssen bei einer Pflanzaktion beachtet werden, um die optimalste Mischung von Baumarten zu erhalten. Unter den Nadelbäumen scheint die Douglasie am ehesten der künftigen Klimasituation angepasst zu sein, zudem habe sie sich als junge „heimische“ Baumart inzwischen im Enzkreis etabliert und bewährt.

Auf Anfrage ergänzte Ralf Rothweiler, dass 100 Festmeter Eiche, 80 Festmeter Buche, 140 Festmeter Industrieholz und der Rest als Brennholz geerntet wurden. Es wurden einige Stämme in A-Qualität geerntet, die einen guten Preis je Stamm erzielen. So ein Verkauf gestalte sich zwar aufwändig, bringe aber auch zufriedene Kunden, die wiederkehren.

Danach ging es weiter in den Ellmendinger Wald. Hier erklärte Ralf Rothweiler, dass an einigen Stellen, an denen sich bereits Wasserlachen gebildet haben, diese so angelegt wurden, dass sie im Sommer nicht austrocknen. Herr Seufer als Fachmann für das Amphibienvorkommen in Keltern sei die verschiedenen Biotope mit dem Revierleiter abgelaufen und mit gezielten kleineren Eingriffen konnte bereits viel für den Schutz der Amphibien erreicht werden. Ende August/September können die Biotope wieder optimiert/gepflegt werden, danach werden sie für 15 Jahre in Ruhe gelassen.

Die Besichtigung einer weiteren sanierten Rückegasse im Ellmendinger Wald, zeigte eine Rückegassenausfahrt, die mit gekauftem Schottermaterial befestigt wurde. Hier wurden ca. 40to Material für 10-15m Gasseneinfahrt zur Sanierung benötigt. Das an dieser Stelle eingearbeitete Steinbruchmaterial habe sich gut bewährt.

Bürgermeister Bochinger bestätigte, dass es für Keltern günstiger sei, das Feinerschließungsnetz laufend zu unterhalten, als in größeren Zeitabständen große und teure Sanierungsmaßnahmen durchführen zu müssen. Revierleiter Rothweiler sprach von einem Finanzaufwand von ca. 10.000 – 15.000 Euro pro Jahr, welcher

durch die Verwendung von Erdaushub deutlich reduziert werden könne. Ralf Rothweiler bestätigte die Zertifizierung des Kelterner Waldes, den hohen Standard, die hohe Sicherheit, die Arbeit mit eigenen Waldarbeitern und ein Wegenetz, das in Ordnung gehalten werde. Da die Holzerlöse nicht drastisch steigen werden, bleibe es das primäre Ziel eine schwarze Null zu schreiben.

Zum Abschluss des Waldbegangs besichtigt der Gemeinderat auf eigenen Wunsch noch den Waldrandweg im Gewann Strut, Weiler Wald. Dieser wurde vor über 12 Jahren mit Erdaushub erstellt. Inzwischen ist die Böschung gut eingegrünt und der Weg wird von den Waldarbeitern, den Holzfuhrunternehmen und der Landwirtschaft geschätzt, da er gut befahrbar sei. Nochmals betonte Revierleiter Rothweiler, dass nur von einzelnen Baugruben das Aushubmaterial nach Prüfung in den Unterbau der Waldwege eingearbeitet werde.

Abschließend bedankte sich Bürgermeister Bochinger bei den Herren des Forstamtes für ihre Erläuterungen.

Die nächste Sitzung des Gemeinderats findet am Dienstag, 20. Juni 2017, statt.

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