Kelterner Altbürgermeister und Ehrenbürger immer noch weltweit unterwegs

Vor Kurzem besuchten Wolfgang und Ilse Gehring auch Nordkorea

GNZG47 1901Auf der Erde gibt es nach Wikipedia 193 Ländern. Nach dem Lonely Planet-Weltreiseführer von Ilse und Wolfgang Gehring soll es sogar 221 auf sieben Kontinenten geben. Im Inhaltsverzeichnis gekennzeichnet haben die beiden 130 davon bereist markiert. Wenngleich diese Zahl sich verhältnismäßig einfach liest; dieses Pensum ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass reisen nicht nur schön, sondern auch anstrengend sein kann. Doch diese Strapazen nehmen die beiden reiselustigen Pensionisten gerne auf sich und tauschen viele Tage unterm Jahr die Ellmendinger Penthouse-Wohnung gegen Flugzeugsitze, Schiffskabinen und Hotelzimmer. Der Reiz des Reisens liegt für sie im „kleinen Abenteuer“ und dem kennenlernen anderer Kulturen. Dabei dürfen aber auch der Genuss und das gute, manchmal auch exotische Essen, nicht zu kurz kommen. Bereits von Anfang an, also seit der Hochzeitsreise nach Wien 1965 sind der heute 80Jährige und seine sechs Jahr jüngere Ehefrau vom Reisefieber gepackt; alle Unternehmungen gewürzt mit etwas Neugier und ein bisschen Mut. So wird jede Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis, wie auch die jüngste Reise nach Nordkorea.

GNZG47 1902Von ihr sprechen Wolfgang und Ilse Gehring von einer der interessantesten und beeindruckensten in den zurückliegenden 54 Reisejahren. Geradezu überwältig waren sie von der unvorstellbaren Sauberkeit im ganzen Land, der einfachen aber gepflegten Kleidung, den vielen, bunten koreanischen Trachten, und dem übertriebenen Personenkult, der auch vor den wenigen ausländischen Touristen (überwiegend Chinesen) nicht Halt macht. Auch von den vielen, in westlichem Stil gebauten Hochhäusern und großen Hotels in der Hauptstadt Pjöngjang waren sie überwältigt.

Zudem waren sie auch von den Riesenstatuen, einen Triumphbogen, ähnlich dem in Paris und einem Wiedervereinigungsdenkmal, das schon im Voraus errichtet wurde beeindruckt.                                                                               
Im Rahmen ihrer elftägigen Reise in Nordkorea besuchten die Gehrings auch eine Großveranstaltung im May Day Stadium in Pjöngjang mit etwa 200 000 Mitwirkenden und einer Choreographie wie sie exakter nicht sein kann.

Andererseits gibt es in diesem streng kommunistischen Land aber auch einzigartige Landschaften, mit Bergen die sie an die europäischen Alpen erinnerten.

GNZG47 1903Entlang der vierspurigen Autobahn, sahen sie üppig blühende Randstreifen und  Reisfelder die von Bauern und Soldaten bewirtschaftet und einer Ausdehnung soweit das Auge reichte. Alles von Hand und mit Ochsen, Maschinen waren keine zu sehen stellt der Altschultes fest und ergänzt auch Straßenbelagsarbeiten erfolgen in Handarbeit ebenso wie die Autobahnreinigung mit Reisstrohbesen und einem Heer an Arbeitern. Das Volk sei überwiegend zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Nur wenige Pkw‘s waren zu sehen. Und für notwendige Transporte gibt’s chinesische Busse und Lkw’s. Industrie sah man keine, attestiert Wolfgang Gehring und fährt fort: die spielt sich in Sonderwirtschaftszonen ab die für Touristen nicht zugänglich sind. Eine weitere Besonderheit ist auch sei Stromknappheit. Daraus resultiert, dass das ganze Land bei Nacht in Dunkelheit gehüllt ist und nur die Lichter der wenigen Fahrzeuge und die hell erleuchtenden Denkmäler den Himmel erhellen, so Ilse Gehring.

GNZG47 1904Sie schildert auch den beeindruckenden Besuch der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea und den Besuch des Kumsusan Palast, einem der weltgrößten Mausoleen, errichtet im neoklassizistischen Stil,  das den kommunistischen Machthabern Kim Il Sung und Kim Jong Il gewidmet ist. Den Besuchern wird zur Besichtigung festliche Kleidung vorgeschrieben. In fünf großen Hallen sind die Särge mit den einbalsamierten Leichnamen im Kristallsarkophag sowie unter anderem der Dienstwagen des Verstorbenen Kim Il Sung, ein Mercedes-Benz 600 SEL, und der Eisenbahnwaggon ausgestellt, in dem er das Land bereiste. In einer weiteren Halle werden dessen Reiserouten auf einer elektronischen Anzeigetafel dargestellt. Rollbänder dienen der Beförderung der Besucher innerhalb des Gebäudes. Akustisch werden die Räume durch Lautsprecher mit koreanischen Gesängen beschallt. Vor dem Betreten der Grabstätte werden die Schuhe der Besucher mit Bürsten und die Kleidung mit einem Gebläse gereinigt. „Das ist beeindruckend und erschreckend zugleich“ beschreiben Ilse und Wolfgang Gehring dieses Erlebnis.

GNZG47 1905Dabei waren sie überrascht von der großen Demut der Bevölkerung gegenüber der Obrigkeit. Das langjährige Kelterner Gemeindeoberhaupt vermutet, dass die Leute ja nichts anderes kennen und keinerlei andere Informationen oder Informationsmöglichkeiten haben, alles wird von der Partei vorgeschrieben. Außerdem gibt es keinerlei Privateigentum. „Das ist eine Einmaligkeit auf der Welt“ stellt Wolfgang Gehring mit gewissem Unverständnis fest. Für ihn und seine Gattin gab es auf der Reise aber zudem noch einen gewissen Nervenkitzel; denn schon das Mitführen eines Reiseführers oder einer Zeitschrift war streng verboten. Mit zwei regierungsamtlichen „Betreuern“ waren aber das Auge und der verlängerte Arm des Kim Jong Un immer im Nacken. So ist der hierzulande wiederbeschaffte Reiseführer ein wichtiges Erinnerungsstück an das aufregendste Erlebnis der unvergesslichen Reise. Den Originalreiseführer hatten die beiden, fast schon in Geheimdienstmanier im Hotelzimmer in Wasser aufgelöst und über den Abfluss entsorgt. Neben diesem Erinnerungsstück an die Reise in ein kommunistisches Land  ist Wolfgang Gehring aber auch noch stolz auf ein anderes Souvenir aus dem fernen Osten, nämlich die Jacke und Mütze eines Rotarmisten. Diese stammt aus der Zeit als Wolfgang Gehring mit Gattin das Reich der Mitte 1983 bereisten. Ansonsten haben die Gehrings wenige Souvenirs. Sie setzen mehr auf die Kraft der Fotos als Erinnerungsstücke. Mit Blick auf die Zukunft sind die beiden reiselustigen Weltenbummler zuversichtlich

GNZG47 1906Trotz des Alters und der damit verbundenen allgemeinen Einschränkungen und gestiegenen körperlichen Anstrengungen sind sie nach wie guten Mutes. So geht’s schon am 23. November mit dem Flieger nach Kapstadt und von dort aus mit dem Schiff entlang der westafrikanischen Küste übers Mittelmeer bis nach Monaco und dann mit dem Bus wieder nach Hause. Ob die beiden dann an Bord der „ MS Albatros“ (während der Reise laufen hier die Dreharbeiten zur Serie „Verrückt nach Meer“) zufällig Statisten werden wie schon vor einigen Jahren auf der „MS Amadea“ als eine Staffel vom „Traumschiff“  während ihrer Reise und ihres Aufenthalts an Bord gedreht wurde, bleibt abzuwarten. Aber egal ob Mitwirkende in der Fernsehserie oder nicht; die Anschlussreise ist schon gebucht. So führt der nächste Trip im Januar in die Antarktis. Angesichts dieses Reisepensums und der sich aufdrängenden Frage ob das Ganze in diesem Alter nicht zu anstrengend und gesundheitlich zu gefährlich sei hat der 80jährige Weltbummler eine einfache  Antwort: „Wenn deine Zeit abgelaufen ist, dann ist sie abgelaufen; ob Zuhause oder auf Reisen“ und Ehefrau Ilse stimmt schulterzuckend zu.