Gutes Rebenwachstum aber das Weinblütenfest muss abgesagt werden

- Weinwanderwochenende und Weinfest im September noch fraglich -

ZG17 20 Rebenwachstum001Es kann kaum etwas kann Schöneres geben, als sich in der Natur zu bewegen, sich mit Freunden und Bekannten zu treffen, Geselligkeit unter freiem Himmel zu finden, einzukehren und den Augenblick bei einem Glas Wein zu genießen. All dies war seither bei vielen Vereins- und Winzerfesten, unter anderem auch dem Kelterner Weinblütenfest, das für den 14. Juni geplant war, möglich. Doch daraus wird in diesem Jahr nichts, da Großveranstaltungen bekanntermaßen bis zum 31. August nicht stattfinden dürfen. Mehr als fraglich ist zudem auch die Durchführung des Kelterner-Weinwanderwochenendes vom 11. bis 13. September mit dem traditionellen Weinfest in Ellmendingen und Weinwandertag am Sonntag, „Für die Winzer und die Weinbaubetriebe, sowie den Musikverein Ellmendingen ist dies mindestens so schmerzlich wie für die vielen Gäste die seither die weinselige Atmosphäre in Keltern genießen konnten“, attestiert Walter Appenzeller. Darin ist er sich mit Bürgermeister Steffen Bochinger einig.

Beide sind darum bemüht, das Renommee und den Bekanntheitsgrad des heimischen Weinbaus, während und über die Zeit der Corona-Krise hinaus zu erhalten. „Wenngleich es keinen Ersatz für die entgangenen Sinnesgenüsse in der freien Natur geben kann, so arbeiten wir doch daran die heimische Weinbaulandschaft visuell erlebbar zu machen und auch Gaumengenüsse zu ermöglichen“, versprechen die beiden maßgeblichen Förderer der namensgebenden Weinbaukultur in Keltern. So plant man eine Art „Internet-Weinprobe“. Dabei sollen die verschiedenen Weinbaubetriebe und Winzer sich selbst, ob in den Reblagen, im Weinkeller oder vor anderer Kulisse präsentieren, ihren Betrieb vorzustellen und ihre Weine besprechen. Die besprochenen Weine sollen dann als „Weinproben-Paket“ bei den Winzern und im örtlichen Getränkehandel erhältlich sein. Allerdings wird die Umsetzung dieses Projekts, auch eben wegen der Corona-Krise, noch einige Zeit, mindestens bis zum Herbst in Anspruch nehmen. Auch will man mit allen Winzern, und das sind immerhin zwei Vollerwerbsbetriebe, über zehn Nebenerwerbsweingüter sowie über 50 Hobbywinzer, eine eigene Internetseite gestalten. Diese erhalten mit der Bewirtschaftung von rund 63 Hektar Rebfläche in Dietlingen und Ellmendingen die heimische Kulturlandschaft. „Das Potential der begeisterten Winzer muss erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden“, meint aus verständlichen Gründen auch das Gemeindeoberhaupt. Um sich aktuell ein Bild vom Zustand der Reben machen zu können traf er sich mit Walter Appenzeller in dessen Schwarzriesling-Weinberg am Dietlinger Klepberg. Während Steffen Bochinger beim Blick in die Landschaft über die flächig bestockten und durchweg gepflegten Reblagen freute, unterstrich Walter Appenzeller die hohe Qualität der heimischen Rebensäfte, nicht nur der Jahrgänge 2018 und 2019. Mit Blick auf das Rebenwachstum zeigte sich der Weinbauexperte besonderes erfreut darüber, dass man derzeit von Nachtfrösten noch verschont geblieben sei. Bei anhaltend guter Witterung rechnet er damit, dass die Weinblüte anfangs Juni beginnen wird. Damit wäre diese um zehn bis 14 Tage früher wie seither. In einem Langzeit- Ausblick mutmaßen Bochinger und Appenzeller, dass wahrscheinlich auch das bekannte Kelterner Weinwanderwochenende mit dem traditionellen Weinfest und der Wahl der Weinkönigin nicht zum gewohnten Termin stattfinden wird, da die Experten von einem längerfristigen Verzicht auf Großveranstaltungen ausgehen. Dies ist auch die Auffassung vom Vorsitzenden des Ellmendinger Musikvereins Marco Kronenwett. Seit über 50 Jahren richtet der Verein das Weinfest aus und bot im vergangenen wegen der nicht benutzbaren Winzerhalle eine Premiere um die Alte Kelter.

ZG17 20 Rebenwachstum002Allerdings war man 2019 der Auffassung, dass die Umstände für die Wahl, beziehungsweise die Vorstellung einer neuen Weinkönigin nicht angemessen wären. So behielt Weinkönigin „Nadine“ für ein weiteres Jahr ihr Amt und die „Regentschaft“. Wie dies nun bei einem völligen Ausfall des Weinfestes aussieht, dazu meint Marco Kronenwett „Ich weiß es nicht; aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass jede Großveranstaltung ein Ansteckungsherd sein kann; und Sicherheitsabstände oder Mundschutz beim Weinfest, das kann ich mir nicht vorstellen“. Ob man den traditionellen Septembertermin, auch wegen der fehlenden Räumlichkeiten weiter ins Spätjahr verschieben kann oder eine eventuelle „neue Weinkönigin“ dann gar per Videoclip oder sonst irgendwie präsentieren kann, sei noch völlig ungewiss. Marco Kronenwett verspricht jedoch eine zeitnahe Unterrichtung der Bevölkerung; und derweil werden Bürgermeister Steffen Bochinger und Walter Appenzeller zusammen mit Experten weiter am
Projekt „virtuelle und sensorische Weinprobe in Keltern“ arbeiten. „Fest steht jedoch, so Bochinger, dass es im September einen neuen und barrierefrei gestalteten Internetauftritt der Gemeinde geben wird.“